Technik - DIY Keys

DIY: MIDI Keys für die Bühne

Im Zeitalter der Virtuellen Instrumente braucht man ja keinen Gabelstapler mehr um sein Tastenequipment auf die Bühne zu wuchten, trotzdem wollte ich nicht auf federleichten Plasikcontrollern herumklimpern und ein bisschen Vintage Feeling sollte es schon sein, trotz moderner Klangynthese und Sampling - also habe ich mir was gebastelt... das "Snowhill Symphonic Orchestra".

Beim Bau der Apparatur wollte ich die Kosten so gering wie möglich halten und auf Vorhandenes zurückgreifen. So schlachtete ich erstmal 2 Midi Keyboard Controller, ein etwas älteres Oxygen 61 und eine Keystation 49, beide von der Firma M Audio. Die Tasten sind zwar nicht gewichtet, jedoch mit Anschlagdynamik, für den Bühneneinsatz durchaus zu gebrauchen.

 

Nachdem ich die Instrumente zerlegt hatte, schnitt ich die Aufnahmen für die Tastaturen aus den Gehäusen. Diese verwendete ich weiter, weil ein Nachbau zu Ungenau und Aufwändig werden würde und plazierte sie auf der Grundplatte des neuen Gehäuses.

 

Hier sieht man den Unterbau der verwendeten Controller ohne Tasten.
Den Zargen für das Gehäuse hätte man sicher auch aus dem Ganzen machen können, doch ich verwendete für das Gehäuse Platten aus Multiplex, die ich schon vorrätig hatte ;-)

 

Die Holzarbeiten sind fertig. Alle Kanten habe ich mit der Oberfräse abgerundet und die sichtbaren Teile mit einer Mixtur aus Lasur (Eiche) und Mahagonibeize behandelt. So bekommt das Holz ein wenig den Vintage-Look und wirkt, als hätte es schon viele Jahre auf dem Buckel.

 

Die Elektronik.

Rechts im Bild sieht man die Mainboards der 2 Midi Controller. Links daneben den Volumenregler und die Taster für die Oktaven, die Wheels für Pitch Bend und Modulation sowie einen Wahlschalter.

Was die Thematik Mod Wheel und Pitch Bend angeht, möchte ich mal etwas weiter ausholen. Midi Keyboards mit 2 Manualen sind ja normalerweise auf ein Mainboard geschaltet und haben nur ein Mod Wheel und ein Pitch Bend. Da in meinem Gerät ja 2 Midi Keyboards verbaut sind und ich nicht 4 Räder, die zudem auch noch unterschiedlich aussehen, im Gehäuse haben wollte, musste ich mir eine Lösung überlegen, auch beide Manuale mit nur einem Pitch Bend zu bedienen. Dazu mehr im nächsten Absatz.

 

 

Das Pitch Bend Wheel besteht in diesem Fall aus einem 10kOhm Poti, welcher durch eine Feder in Mittelstellung gehalten wird. Beim Betätigen spuckt der Controller einen Midi Wert zwischen 0 und 127 aus, in Ruhestellung also genau den Mittelwert.

Beide Keyboards an den einen Poti zu hängen ist nicht machbar und auch nicht sinnvoll, da man ja dann beide Keyboards zugleich pitcht. Deshalb habe ich einen 6 kanaligen Umschalter verwendet, genauer gesagt, einen Wahlschalter mit 6 Wafers. Etwas anderes habe ich auch nach längerer Suche nicht gefunden, sicher gibt es dafür auch elektronische Möglichkeiten, doch inwiefern diese dann die Werte vom Poti verfälschen, wer weiß...

Wahlschalter mit unterschiedlicher Anzahl an Wafers gibt es für teuer Geld zu kaufen, ich hatte zum Glück noch einen aus DDR Produktion.

Nebenstehendes Schaltbild zeigt, wenn ein Keyboard auf den Pitch Bend geschaltet ist, läuft das andere über einen festen Spannungsteiler, der simuliert sozusagen den Poti, der in Mittelstellung steht. Das ist Notwendig, sonst haut die Tonhöhe nicht hin.

Das Mod Wheel habe ich nur mit dem Oxygen verbunden und für die Keystation einen Poti ins Gehäuse geschraubt. Mit einem 12 Kanal Schalter hätte man das sicher eleganter gelöst ;-)

 

So sieht das Ganze zusammengebaut aus.

Die Bedienelemente sind auf einem 1mm Alublech fixiert. Für die passende Optik habe ich Ettikettenfolie für Laserdrucker bedruckt und das Blech damit bezogen.

 

Das Oxygen 61 war ja mit diversen Dreh-, Schiebereglern und Buttons ausgestattet, welche ich hier auch wiederverwende. Von der Anordnung her orientierte ich mich an einem analogen Synthesizer, es sollten also VCO, VCF, LFO usw vorhanden sein. Desweiteren wollte ich noch Taster für Play. Stop, Loop usw.

Die Regler auf der Originalplatine sind alles 10k Widerstände, es ist dem Mainboard also egal, ob man Potis oder Schieberegler verwendet, die Bauelemente habe ich allesamt von der Originalplatine ausgelötet und auf Rasterplatinen neu angeordnet und verdrahtet. Einige Schieberegler wurden auch durch Potis ersetzt.

 

Das ganze wurde dann mit den Originalplatinen verkabelt, da diese ja noch ein paar spezifische Bauelemente enthalten. Das Gleiche passierte auch mit ein paar Buttons, die auf der Frontplatte montiert sind.

Wenn man Midi Controller z.B. mit einem Arduino baut, ist es ja kein Problem, einen Multiplexer auf die Platine mit den Potis zu integrieren, in diesem Fall konnte ich den Typ nicht ermitteln, da mussten halt die Originalplatinen mit ins Boot, das ergab zwar eine ganz schöne Kabelage, doch es funktioniert :-).

Alle Bedienelemente habe ich auch in diesem Fall auf einer gestalteten Aluplatte fixiert und die Potis wurden mit schönen Bakelitknöpfen bestückt.

 

Die Anschlüsse sind auf einem Alublech an der Rückseite des Gehäuses angebracht.

Eigentlich hatte ich gehofft, die Controller und das Touchfeld vom Monitor über ein USB-Hub betreiben zu können, das wollte allerdings nicht funktionieren, weder aktiv noch passiv. Deshalb bekam jedes Gerät seinen eigenen USB Port. Weiterhin gibts eine HDMI Buchse und Strom für den Monitor sowie einen Pedal Anschluss für das Oxygen 61.

 

Der letzte Teil des Puzzles ist der Touchscreen, den ich mit der Rückseite des Gehäuses verschraubt habe.

Nicht zu sehen ist der dazugehörige Rechner, welcher in einem Servergehäuse im Rack implementiert ist.

Auf dem Foto sieht man als Software das Music Studio von Magix. Mittlerweile verwende ich Ableton Live Intro und Yeco als Touchscreen Interface.


Ich hoffe, Ihr hattet beim Lesen genau so viel Spaß, wie ich beim Schreiben ;-)

Euer J. Toe

 

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